Lingener Tagespost: 15.08.2025
von Sebastian Jaspers
Die AfD hatte zum Infostand nach Salzbergen geladen. Die Ratsparteien SPD und CDU zogen
aber nach und überließen der AfD nicht das Feld.
FOTO: LARS SCHRÖER
Bis zur Kommunalwahl in Niedersachsen sind es noch 13 Monate. In Salzbergen scheint der Wahlkampf bereits begonnen zu haben. Denn sowohl die CDU als auch die SPD zeigten auf dem Kirchplatz Präsenz, nachdem bekannt geworden war, dass die AfD einen Infostand in der Kommune aufbaut. Ein Besuch vor Ort.
Im Salzbergener Ortskern geht es an normalen Vormittagen unter der Woche meist beschaulich zu. Nicht jedoch am Donnerstag. Der Grund: Die Alternative für Deutschland (AfD) hatte sich mit einem Infostand in der Gemeinde angekündigt. Das rief die politischen Platzhirsche in Salzbergen auf den Plan, der Rechtsaußen-Partei nicht die Hoheit in der Dorfmitte zu überlassen. Auch wenn die Meldung über die AfD-Aktivitäten erst kurzfristig durchsickerte, zogen sowohl CDU als auch SPD mit eigenen Ständen nach.
Felix Schonhoff (SPD) ist Ortsvorsitzender und mobilisierte die Genossen unmittelbar nach
Bekanntwerden der AfD-Pläne für den Infostand. FOTO: LARS SCHRÖER
SPD erhält Unterstützung aus der Region
„Wir haben sofort mobilisiert, als wir erfahren haben, dass die AfD einen Infostand plant“, erklärt Felix Schonhoff, seit Juni 2025 Ortsvorsitzender der SPD in Salzbergen. Dem Aufruf folgten prompt viele Sozialdemokraten, auch aus anderen Ortsverbänden wie Emsbüren und Rheine. „Uns ist wichtig, hier präsent zu sein.“
Ziel der Aktion sei es gewesen, für Offenheit, Toleranz und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einzutreten. SPD-Ratsherr Klaus Gödde nahm sich dafür sogar einen halben Tag Urlaub, zu wichtig sei es ihm, „Gesicht zu zeigen“. Auch die anliegende katholische Kirchengemeinde sowie der internationale Freundeskreis Salzbergen zeigten am Donnerstag Flagge.
Klaus Gödde von der SPD nahm sich einen halben Tag Urlaub. FOTO: LARS SCHRÖER
Salzbergener SPD bemerkt verstärkte Aktivitäten der AfD in der Gemeinde
Am Donnerstagmorgen blieb der SPD-Stand zunächst der einzige. Die AfD-Mitglieder, die teils mit Hannoveraner Kennzeichen vorfuhren, standen – so sprach es sich schnell herum – offenbar im Stau. Die vom Verfassungsschutz als in Teilen gesichert rechtsextrem eingestufte Partei setzte in Salzbergen offenbar auf gänzlich unbekanntes Personal.
Allerdings soll sich das ändern. Darauf deuten jedenfalls die Aktivitäten in der jüngeren Vergangenheit hin. „Sie haben schon vor ein paar Monaten hier einen Infostand betrieben“, weiß SPD-Ratsherr Detlev Walter. Zudem falle auf, dass in letzter Zeit mehrfach AfD-Flyer in den Briefkästen zu finden waren. „Offenbar werden sie hier nun aktiver“, so Walter. Bei der vergangenen Bundestagswahl kam die AfD auf 12 Prozent der Wählerstimmen in der südlichsten Kommune des Landkreises Emsland.
Von der AfD darf nur einer mit der Presse sprechen
Einen eigenen Ortsverband in der Kommune gibt es nicht. Der Kreisverband Ems-Vechte zeigt sich verantwortlich für die Aktivitäten in Salzbergen. Beim Gespräch am Stand achtet einer der Mitglieder ganz genau darauf, dass lediglich AfDLandtagsmitglied Holger Kühnlenz mit den Pressevertretern redet. Kühnlenz weiß am Stand seine offenbar misstrauische Gefolgschaft stets im Rücken.
Holger Kühnlenz sitzt für die AfD im niedersächsischen Landtag. FOTO: LARS SCHRÖER
Der Nordhorner Landtagsabgeordnete erklärt, die AfD sei eine „Volkspartei“, auch in Dörfern. Mit den Infoständen wolle man sich der Wählerschaft präsentieren. Kühnlenz will dabei nahbar sein und erklärt, auf jede seiner Mails, die er bekommt, zu antworten. Auch Autogrammkarten habe er für seine Anhänger dabei, „für die Autogrammjäger“, die es zahlreich gebe.
Öl-Raffinerie soll erhalten bleiben
Vor Ort abgespult wird das Bundesparteiprogramm der AfD. Doch wie sieht es mit konkreten Ideen auf lokaler Ebene aus, mit denen die Partei um Ratsmandate buhlen will? Hier nennt Kühnlenz den Erhalt der Öl-Raffinerie als ersten Punkt. Zwar gebe es keine Hinweise auf eine etwaige Schieflage, aber präventiv soll sichergestellt werden, dass diese auch in Salzbergen bleibe.
Untermauern will er das mit dem Verweis auf das „Verbrennerverbot“, das Auswirkungen haben könne. Erst auf einen entsprechenden Hinweis des Pressevertreters hin erfuhr er, dass in Salzbergen gar keine Motorenöle, sondern Weißöle hergestellt werden. Diese werden primär für chemischpharmazeutische Spezialitäten verwendet.
Wichtig sei ihm, so Kühnlenz, dass Firmen nicht abwandern. Konkrete Beispiele, dass sich dies in Salzbergen anbahnen könnte, konnte er auf Nachfrage nicht nennen. Ansonsten wolle sich die AfD – neben dem Arbeitsplatzerhalt – darum kümmern, dass es genügend Kindergärten gebe. Auch um Krankenhäuser gehe es, die nicht schließen dürften.
Hermann Hermeling von der CDU wollte ebenfalls Präsenz am Kirchplatz zeigen. FOTO: LARS
SCHRÖER
Auch die CDU formiert sich schnell und zeigt Präsenz
Die stärkste Ratsfraktion bildet in Salzbergen die CDU. Auch bei den Christdemokraten wurde nicht lange gezögert, als sie vom AfD-Stand im Ortskern erfuhren. Schnell formierten sich auch die Ratsmitglieder um den Fraktionsvorsitzenden Frank Elling. Auch der erste stellvertretende Bürgermeister Hermann Hermeling war vor Ort, um „für die Demokratie“ einzustehen.
Das Aufkommen der AfD macht auch ihnen merklich Sorge, insbesondere der Umgangston des politischen Gegners sei nicht selten respektlos. Das Ganze spiegele sich folglich auch in der Gesellschaft wider. Um einen gepflegten Ton in Salzbergen weiterhin zu gewährleisten, scheinen CDU und SPD nun öfter gefragt zu sein.