Lingener Tagespost: 15.08.2025
Meinung – Sebastian Jaspers
Der Salzbergener Ortskern am Donnerstag. Drei Parteien buhlten um das Interesse der
Anwohner.
FOTO: LARS SCHRÖER
Die AfD zeigt mehr und mehr Präsenz in Salzbergen. Wie CDU und SPD mit den aufkommenden Aktivitäten umgehen und der Rechtsaußen-Partei offensiv die Stirn bieten, hat Vorbildcharakter, findet unser Kommentator.
Die AfD kündigt einen Infostand an – die beiden Ratsparteien CDU und SPD ziehen nach und überlassen auch mit Unterstützung der örtlichen Kirchengemeinde und dem Internationalen Freundeskreis Salzbergen den Rechten nicht das Feld. Salzbergen mobilisiert gegen die AfD – und das ist genau richtig.
SPD-Ratsherr nimmt sich einen Tag Urlaub
SPD-Ratsherr Klaus Gödde nahm sich kurzfristig sogar einen halben Tag Urlaub, um auf dem Kirchplatz in Salzbergen Präsenz zu zeigen. Nicht nur ihm ist es anzumerken, dass ihm die politischen Gegner vom AfD-Kreisverband Ems-Vechte ein Dorn im Auge sind.
Die beiden Parteien stellen die Fraktionen im Rat – und geben sich erkennbar vorbildliche Mühe, dass die Rechtsaußen in der Gemeinde auf Kommunalebene erst gar keine Wurzeln schlagen.
Während es bedauerlicherweise in vielen Teilen des Bundesrepublik krachend gescheitert ist, die AfD politisch kleinzuhalten, kann ein lokales Erstarken der Rechtsextremen zumindest in Salzbergen mit Zivilcourage und einer lauten, bunten Mehrheit rund ein Jahr vor der nächsten Kommunalwahl noch verhindert werden.
AfD offenbart inhaltliche Leere
Zumal es für die Lokalpolitiker ein Leichtes ist, die AfD inhaltlich zu stellen. Denn Fragen zu konkreten Plänen für die Kommune führten beim AfD-Landtagsabgeordneten Holger Kühnlenz zu einem kruden Herumdrucksen und dem parteiüblichen Aufbau von Angstszenarien.
Wer sich in den Ortskern einer Gemeinde stellt, von dem darf durchaus erwartet werden, konkrete politische Ideen präsentieren zu können. Insbesondere, wenn die Partei offensichtlich die Aktivitäten vor Ort nun erhöht. Und wenn es nicht Kühnlenz persönlich ist, hätte ihm einer seiner Parteifreunde zur Seite springen und mit lokalem Fachwissen glänzen können. Doch die durften nicht mit der unliebsamen Presse reden.
In der südlichsten Kommune des Emslands sind die Ratsparteien offensichtlich hellwach und überlassen der AfD ihren Ortskern nicht – auch nicht temporär an einem handelsüblichen Donnerstagvormittag. Und das ist gut so.